Barfst du noch oder fütterst du schon?

Barfst du noch oder fütterst du schon?

Als ich angefangen habe mich mit der Ernährung von Hunden auseinanderzusetzen, bin ich schnell zu dem Schluss gekommen, dass B.A.R.F. die beste Art sein müsste, meinen Hund zu füttern. Eine Ernährung aus rohen und frischen Zutaten, die man selbst zusammenstellt, müsste auf jeden Fall besser sein, als ein industriell hergestelltes Futter.

Allerdings kannte ich auch keine wirkliche Alternative, da es in der Ernährung von Hunden nur Extreme zu geben schien. Die Ernährung des Hundes gleicht einer Ideologie, bei der sich allerlei Mythen und Falschaussagen bis heute wacker halten. Deshalb möchte ich das Thema B.A.R.F. gerne aus meinem Blickwinkel beleuchten und aufzeigen, warum dieses Konzept für mich nicht schlüssig ist.  

Wer hat sich das ausgedacht?

Der Begriff B.A.R.F. soll durch die Kanadierin Debbie Tripp (in machen Quellen wird sie auch als Amerikanerin bezeichnet) geprägtworden sein, die damit „Born-Again Raw Feeders“ (‚wiedergeborene Rohfütterer‘) bezeichnete. 1993 veröffentliche der australische Tierarzt Dr. Ian Billinghurst das Buch „Give your dog a bone“ und berief sich darauf, Hunde wieder wie jeher mit rohen, fleischigen Knochen und hochwertigen Tischresten zu ernähren. 2000 veröffentlichte die Züchterin Swanie Simon in Deutschland die erste Broschüre über Rohfütterung. Sie hat den Begriff B.A.R.F. mit „Biologisch Artgerechtes Rohes Futter“ ins Deutsche übersetzt und das Konzept bis heute geprägt. Bei ihrer Interpretation von B.A.R.F. versucht man die Ernährung von Wölfen nachzubilden. 

Hunde wie Wölfe ernähren – warum?

Wieso kommt man überhaupt auf die Idee, Hunde wie Wölfe ernähren zu wollen? Sie teilen zwar zu 99 % das Gengut mit ihren wölfischen Vorfahren, aber wir ernähren uns auch nicht wie Schimpansen, mit denen wir 98,5 % unserer Gene teilen. Schimpansen ernähren sich überwiegend pflanzlich. Aber auch Insekten und kleine Nager wie Fledermäuse stehen auf ihrem Speiseplan.

Hunde werden immer wieder als Carnivore (Fleischfresser) bezeichnet. Doch das stimmt so nicht. Hunde gehören zwar zur biologischen Ordnung der Carnivora (Raubtiere), sind aber auf Fleisch spezialisierte Allesfresser. Ein Tier dieser Ordnung kann zwar ein Fleischfresser sein, muss es aber nicht. Pandabären gehören auch zur Ordnung der Carnivora und ernähren sich aber bekanntermaßen von Bambus. Auch Rotfüchse und Waschbären zählen zu dieser Ordnung, sind aber Allesfresser (Omnivore). Und Ratten haben zwar ein Nagergebiss, ernähren sich jedoch omnivor. Wie man hier erkennen kann, lässt die Ordnung alleine keinen eindeutigen Rückschluss zu, wie sich ein Tier ernährt.

Ein entscheidender Unterschied zwischen Hunden und Wölfen ist, dass Hunde Stärke verdauen können. Sowohl Menschen als auch Hunde haben zu Beginn der Sesshaftwerdung (die mit dem Aufkommen von Ackerbau einherging) die Fähigkeit entwickelt Stärke und Milchprodukte zu verdauen. Dazu war Fleisch als Nahrungsmittel immer kostbar und nicht im Überfluss vorhanden, weshalb Hunde meist mit wenig Fleisch ernährt wurden.

Das Konzept B.A.R.F. beinhaltet, das sich die Nahrung für Hunde an Beutetieren orientiert. Dies impliziert, dass freilebende Hunde, den größten Teil ihrer Nahrung erjagen würden. Wissenschaftliche Berichte besagen allerdings, dass erjagte Beutetiere nur einen geringen Anteil der Nahrung von wildlebenden Hunden ausmachen. Studien zeigen auf, dass freilebende Hunde in Zimbabwe, Zentralindien und Polen ein breitgefächertes Nahrungsspektrum haben und nur maximal die Hälfte ihres Bedarfs tierischen Ursprungs ist. Davon besteht ein großer Anteil aus Aas, Abfällen von Menschen oder Insekten.

Auch die von Günther Bloch beobachteten „Pizza Hunde“, eine frei und wild lebende Hundegruppe in der Toskana, wurden von Menschen mit Nahrung versorgt. Obwohl alle Hunde jederzeit hätten jagen gehen können, bestand ihre hauptsächliche Nahrung aus dem, was Menschen ihnen zu Verfügung stellten.

Fleisch ist mein Gemüse

Die Grundlage von B.A.R.F. soll die natürliche Nahrung des Wolfes sein, weshalb die verschiedenen Bestandteile eines Beutetieres nachgeahmt werden: rohes Fleisch, Innereien, fleischige Knochen. Ergänzt wird die Ration mit pflanzlichen Komponenten, die den Darminhalt des Beutetieres nachahmen sollen. Doch entgegen der landläufigen Meinung fressen Wölfe nicht den Inhalt des Magen-Darm-Traktes. In Nahrungsanalysen kann zwar nachgewiesen werden, dass freilebende Wölfe einen geringen Anteil an pflanzlichen Bestandteilen wie Früchte, Nüsse oder Gräser zu sich nehmen. Dieser Anteil ist allerdings im Verhältnis zu anderen Nahrungsbestandteilen zu vernachlässigen. In der Regel wird der Magen von Beutetieren nicht geöffnet oder dessen Inhalt gefressen. Das wird lieber den Füchsen überlassen. 

Bloß nicht erhitzen

Da Wölfe ihre erbeutete Nahrung vor dem Verspeisen bekanntermaßen nicht erhitzen, sollen auch Hunde im Konzept B.A.R.F mit rohen Zutaten ernährt werden. Es wird argumentiert, Nährstoffe gingen beim Erhitzen verloren, rohes Fleisch wäre höher verdaulich und die extreme Magensäure des Hundes würde alle potenziellen Krankheitserreger zerstören. Leider stimmen diese Aussagen so nicht. 

Nährstoffe können zwar durch Erhitzen reduziert werden, Mineralstoffe z.B. sind aber sehr hitzestabil und gehen lediglich ins Kochwasser über. Wenn man die Kochbrühe mitverfüttert, Nahrungsmittel schonend dämpft oder schmort, entstehen kaum Verluste. Auch die Verdaulichkeit unterscheidet sich kaum. Der Unterschied zwischen 95 % Verdaulichkeit von rohem zu 93,5 % von gegartem Fleisch kann vernachlässigt werden. 

Ein wichtiger Punkt die Fütterung von rohem Fleisch kritisch zu betrachten, ist die potenzielle Keimbelastung. Leider gibt es die Annahme, die aggressive Magensäure von Hunden, würde Krankheitserreger wie Salmonellen zerstören. Tatsächlich ist es aber so, dass der pH-Wert im Hundemagen ähnlich dem von Menschen ist. Eine fleischlastige Ernährung regt zwar die Magensaftproduktion an, den pH-Wert ändert sie aber nicht. Salmonellen sind zudem säureresistent. Das bedeutet, dass die Magensäure allein den Hund nicht vor Krankheitserregern schützt. 

Und jetzt?

All diese Punkte lassen mich zu dem Schluss kommen, dass das Konzept B.A.R.F., die Nachbildung von Beutetieren, und Hunde ernähren zu wollen wie Wölfe, nicht schlüssig ist. Es soll nicht bedeuten, dass ich grundsätzlich gegen rohes Futter und schon gar nicht gegen frische Lebensmittel bin. Ich bin aber davon überzeugt, dass ein strenges Konzept und die damit (manchmal) einhergehende Ideologie nicht der richtige Weg sind, die Ernährung von Hunden zu betrachten. 

Hunde haben sich schon immer mit dem ernährt, was auch Menschen zu Verfügung stand und sie übriggelassen haben. Abwechslungsreich zusammengestellte, vollwertige und hochwertig hergestellte Nahrungsmittel sollten im Fokus stehen. 

Eure Anke


Quellen:

„BARF – Biologisch Artgerechtes Rohes Futter für Hunde“, Swanie Simon, 2014.

„Hunde barfen – Alles über Rohfütterung“, Julia Fritz, 2015.

„Die Pizza-Hunde“ (DVD), Günther Bloch, 2007.

„Hunde-Forschung aktuell: Anatomie, Ökologie, Verhalten„, Udo Gansloßer, Kate Kitchenham, 2019.

Links zum Thema [letzter Zugriff: 11. März 2020]:

https://hundeprofil.de/sind-hunde-fleischfresser/

https://hundeprofil.de/fleisch-oder-allesfresser/ 

https://www.clean-feeding.de/roh-oder-nicht-roh-das-ist-hier-die-frage/

https://www.cambridge.org/core/journals/british-journal-of-nutrition/article/dietary-nutrient-profiles-of-wild-wolves-insights-for-optimal-dog-nutrition/6698A301900EEDF10E49B062A2BD9ED8

www.wolf-sachsen.de

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